Was ist die Liebe – Sandor Petöfi

Was ist die Liebe

Ihr Dichterlinge, Schwadroneure,
ihr halbwüchsigen Hasardeure,
hört auf, von Liebesleid zu plärren,
das ist nicht mehr mitanzuhören.
Ich bitt euch um der Menschheit Heil!
Ward je die Einsicht euch zuteil,
was dieser Vogel Liebe ist?
Was ihr daraus zu brauen wißt,
dies Gärprodukt aus eurem Kopf,
aus diesem allzu muffigen Topf,
darin ihr Seufzer-Nockerln brüht,
gewürzt mit scharfem Hahnentritt,
mit Bitterstoff von Tränensalz
und mit Rockzipfel-Schmachterschmalz,
glaubt ihr fürwahr, daß dies Gebräu
die gottgewollte Liebe sei?
Nein, spart euch das, ihr kleinen Tröpfe,
bis lichter werden eure Köpfe
und ihr zu Recht besingen könnt,
was man in Wahrheit Liebe nennt.
Lernt erst des Zweifels Pfeil zu tragen
im Herzen, ohne zu wehklagen.
Erweckt aus eurem roten Blut
die grüne Saat: der Hoffnung Mut,
ob sie auch wieder welken mag,
ja, jeder gottgewollte Tag
euch immer wieder läßt verzagen,
den schönsten Traum zu Grab heißt tragen.
Lernt den Verleumdern euch zu stellen,
die euch den Glauben gern vergällen;
laßt euch durch Kränkung nicht vergrämen,
für die man nicht darf Rache nehmen,
dieweil ein Mensch euch hat entehrt,
der eurer Liebsten zugehört.
Lernt opfern euch den Ehepflichten,
auf eure Freiheit zu verzichten,
die aller Menschen höchstes Gut,
und tragt getreu mit frohem Mut
für eure Liebe alle Lasten,
sorgt ohn’ zu ruhen und zu rasten,
daß es den Euren an nichts fehle.
Verständnis zeigt der Frauen Seele,
stellt euch auf ihre Launen ein.
Wollt ihr nicht beide freudlos sein,
gilt’s, Selbstentäußerung zu üben.
Seht, dies, all dies heißt wahrhaft lieben!

Share:

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.