September-Ausklang – Sandor Petöfi

September-Ausklang

Wie freundlich vorm Fenster die Blumen noch blühen,
die Pappel, sie trägt noch ihr sommerlich Kleid!
Doch siehst du im Norden schon Schneegewölk ziehen,
und hoch in den Bergen, da hat’s schon geschneit.
Noch fühl ich durchpulst mich vom Sommer wie immer,
der Säfte der Jugend mich noch nicht beraubt,
doch zeigen die Schläfen schon silbernen Schimmer,
der Rauhreif des Winters sinkt sacht auf mein Haupt.

Die Jugend wird welken, das Leben verfliegen …
Komm zu mir, mein Weib, daß im Arm ich dich hab,
komm, neig deinen Kopf, an mein Herz dich zu schmiegen!
Vielleicht neigst du so dich bald über mein Grab …
Sag, wirst du das Bahrtuch dann über mich legen
und schwören, daß nie einen andern du liebst,
kein andrer dich jemals vermag zu bewegen,
daß du meines Namens dich treulos begibst?

Doch willst du nicht länger die Witwentracht tragen,
dann wirf deinen Schleier getrost auf mein Grab!
Ich steige herauf aus dem finsteren Schragen
und hole ihn mir in die Grube hinab.
Abtrocknen will ich mir damit alle Tränen,
die ich um dich weinte – brachst du auch dein Wort.
Denn ewiglich werde ich mich nach dir sehnen,
nach dir, die ich liebe – auch dort noch, auch dort!

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