Seit ich so verliebt bin – Sandor Petöfi

Seit ich so verliebt bin

Seit ich so verliebt bin, bin ich wirklich
halb verrückt, mein Kopf kommt nicht zur Ruh,
die Gedanken rennen gegen Wände,
spielen in mir gleichsam Blindekuh.

Sachen mach ich, die zu andern Zeiten
keiner jemals mich hat tun gesehn.
In den Spiegel blick ich oft verstohlen …
Ach, ich schäm mich fast, das zu gestehn.

Hab schon “Gute Nacht” gewünscht am Morgen,
“Guten Morgen”, wenn’s schon Abend war;
manchmal auch “Grüß Gott” gesagt zum Abschied,
Ankömmlingen “Lebe wohl” sogar.

In den Streusand tauchte ich die Feder,
und die Tinte nahm ich dann zum Streun.
Vielleicht steck ich gar mal die Zigarre
mir verkehrt rum in den Mund hinein?…

Keiner könnt in diesem Falle sagen:
Diese Liebeswunde sei nicht echt!
Mädchen, du bist schuld, daß ich sie habe!
Daß dein Kuß sie heilt, wär nur gerecht!

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