Meine Phantasie – Sandor Petöfi

Meine Phantasie

Nein, nicht von irdischem Staub stammt meine Phantasie,
Donner hat sie erzeugt, Blitze gebaren sie,
Drachenmilch saugte sie ein, als sie die Welt kaum erblickt,
hat sich an Löwenblut, als sie heranwuchs, erquickt.

Ungebärdig und wild ließ sie sich zügeln nie,
wandern von Land zu Land wollt meine Phantasie,
mischte auf ihrer Bahn sich mit des Meeres Gebraus,
irrte auf Erden umher, war selbst im Himmel zu Haus,

Schweifte wie ein Komet über Gebirg und Tal,
über der Wüsten Sand drohend, gespenstisch fahl,
riß in den Urwäldern um Eichen, Jahrhunderte alt,
stürzte von Bergen herab Felsen mit Riesengewalt.

Wildfang, was wurde aus dir? Betest nur Blumen noch an,
schwärmst um ein Mädchen herum, das es dir angetan,
flüsterst ihr sclii-nichtend ins Ohr, süß wie der Abendwind zahm.
Ah, meine Phantasie, sanft bist du jetzt wie ein Lamm.

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