Längst verklungen – Sandor Petöfi

Längst verklungen

Längst verklungen ist der Glocken
Nachtgeläut,
längst erloschen sind die Lichter
weit und breit.
Ich nur wandre in den Gassen
noch umher,
kann nicht schlafen, finde keine
Ruhe mehr.

Mond und Sterne blinken, winken
sonderbar,
so wie schöne Mädchenaugen
hell und klar.
Stumm, gelangweilt starren träge
Baum und Haus,
strecken fahl nur ihre Schatten
nach mir aus.

Hoch vom Dachfirst schaun zwei Störche
aus dem Nest,
unten stehn zwei Menschen, an die
Tür gepreßt,
blond der Bursche, braun das Mädchen. . .
Lächelnd stumm
hängt er ihr den eignen Schafspelz
zärtlich um.

Leis vorüber schleiche ich, sie
merken’s kaum,
so, als hätten sie vergessen
Zeit und Raum.

Mögen beide – denk ich neidlos –
sich erfreun.
Dennoch möcht ich an des Burschen
Stelle sein!

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