Juliska – Sandor Petöfi

Juliska

Juliska, mein ist sie endlich,
mein ist sie für alle Zeit!
Frei, vor Gott und Menschen kann ich’s
nun bekennen ungescheut.

Bin vergnügt, wenn auch im Herzen
einstiger Kummer mich noch sticht.
Soll ich weinen oder lachen
jetzt vor Glück? Ich weiß es nicht.

Bin ich der, den allzu lange
Herzeleid hat heimgesucht,
der mit jedem Tage wieder
sich vom Schicksal sah verflucht?

Bin ich der, der sich nun rechtens
als der größte Glückspilz dünkt,
dem wie wenigen auf Erden
so viel Lust und Freude winkt?

Mögen Wald und Wiesen welken!
Herbst, brich schneller doch herein!
Wirst der hellste, schönste Frühling
ja für mich, den Bräutigam, sein.. .

Doch ich schau nicht in die Zukunft,
nein, ich schaue nicht hinein,
denn ich fürchte, daß mich blendet
ihrer Sonne Strahlenschein.

Seh nur die vergangnen Stunden
in des Mondes mildem Licht.
Mag dies Licht mir weiter leuchten,
sich auch künftig trüben nicht.

Teurer Tag, an ihrer Seite,
teurer Tag, so voller Glück,
Ewigkeit voll Seligkeiten,
fliehend wie ein Augenblick,

als ich sie ganz ohne Worte
sanft umschlungen hielt im Arm
und den ersten Kuß ihr hauchte
auf die Lippen, weich und warm!

Jetzt noch spüren meine Lippen
ihrer Wangen heiße Glut,
so als schmelze und verströme
einer Sonne Feuerflut.

Ach, ich glaube, dieses Feuer
kühlt sich niemals in mir ab,
wird das Herz mir noch erwärmen,
wenn ich längst schon lieg im Grab.

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