Einer Freundin – Rudolf von Reibisch

Einer Freundin

bei Ueberreichung
eines silbernen Obstmessers.

Glaubst Du auch, daß solch ein Messer
Treue Freundschaft kann zerschneiden?

Nein, gewiß, Du weißt es besser!
Glaubst nicht, wie vor alten Zeiten
Unbehofte, arme Heiden,
Die in ihrem blinden Wahn
Und bedroht von allen Seiten
Feindliche Gewalten sahn.
Nein, gewiß nicht! und so laß mich
Bessre Deutung unterbreiten.
Freundschaftsbande lassen sich,
Wie die Unsern, glaube mir,
So wie Heft und Klinge hier,
Nimmer voneinander scheiden.
Denn sie sind von den Gefeiten,
Benedeiten,
Gottgeweihten,
Deren Spring- und Federkraft
Nie sich abnutzt und erschlafft.

So noch manche Ähnlichkeiten
Find ich an dem kleinen Dinge.
Gleicht doch ganz der Silberklinge
Auch, Dein Zünglein fein und spitz,
Das geschärft mit gutem Witz
Manche Schelmerei ersann,
Doch — zu gut — nicht tiefer schneiden,
Als es wieder heilen kann.

Und der Heft? Das ist Dein Mann,
Der trotz Widerspruch und Streiten
Auch das Heftchen soll behalten,
Weil der Klinge Fähigkeiten
Sich unmöglich sonst entfalten.
Von dem Heft getrennt die Klinge,
Sage selbst, ob das wol ginge?
Wenn sich fest die beiden halten
Kann sich Kraft und Glück entfalten.

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