Der Knechtschaft überdrüssig – Sandor Petöfi

Der Knechtschaft überdrüssig

Jede Art der Liebe
hab ich ausprobiert,
hoffte, daß die Schöne
ihre Scheu verliert.

Wie im Sturm das Feuer
alles setzt in Brand,
wollt mein Herz besiegen
ihren Widerstand.

Sänftigte mich wieder
wie die warme Glut,
dran im Herbst der Hirte
abends wohlig ruht.

Kam wie ein Gebirgsquell,
der zu Tale saust,
Gischt aufwirbelnd, donnernd,
wild dahergebraust.

Nahte wie ein Bächlein,
das sich still verträumt
freut am Flor der Blumen,
der sein Ufer säumt.

Stand vor ihr als stolzer
Bergfirst, kalt, vereist,
drohend, blitzumlodert
und vom Aar umkreist.

Hielt sie sanft umfangen
wie ein trauter Hain,
sang gleich Nachtigallen
meiner Sehnsucht Pein.

Hundertmal gewandelt
hab ich mein Gesicht,
doch die spröde Schöne
änderte sich nicht.

Soll ich nun noch länger
treiben dieses Spiel?
Lohnt sich soviel Mühe,
führt sie je zum Ziel?

Besser ist’s, ich schüttle
ab dies Liebesjoch;
Fesseln, noch so süße,
bleiben Fesseln doch.

Schwing dich, meine Seele,
schwinge dich empor
in das Reich der Freiheit
fröhlich wie zuvor!

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