Der Herbstwind flüstert – Sandor Petöfi

Der Herbstwind flüstert

Der Herbstwind flüstert traurig mit den Bäumen,
geheimnisvoll ist seiner Rede Sinn,
die Bäume lauschen ihm, und wispernd wiegen
sie nachdenklich die Köpfe her und hin.
Nachmittag ist’s, aufs Sofa hingesunken
lieg lesend ich, zur Seite mir gesellt,
in meinen Arm ihr Köpfchen friedlich schmiegend,
schläft meine kleine Frau, entrückt der Welt.

Ich fühle ihren Herzschlag mit der Linken,
die ihre süße Brust umfangen hält,
ein heiliges Buch halt ich in meiner Rechten,
das von der Völker Freiheitskampf erzählt.
Und jede Letter tanzt vor meiner Seele
wie ein Komet, der feurig niederfällt…
In meinen Arm ihr Köpfchen friedlich schmiegend,
schläft meine kleine Frau, entrückt der Welt.

Für schäbigen Sold, getrieben von der Peitsche,
dienten die Sklaven der Tyrannen Macht,
die Freiheit aber brauchte nur zu lächeln,
schon zog, wer treu ihr war, für sie zur Schlacht.
Und wie von einem schönen Mädchen Blumen,
nahm Wunden man und Tod von ihr im Feld…
In meinen Arm ihr Köpfchen friedlich schmiegend,
schläft meine kleine Frau, entrückt der Welt.

Wie viele Edle sind für dich gefallen,
o heilige Freiheit, in verlornem Krieg!
Und trotzdem wirst du schließlich triumphieren!
Der letzte Kampf bringt dir gewiß den Sieg!
Und alle deine Toten wirst du rächen,
wenn dein gerechtes Schwert Gerichtstag hält! …
In meinen Arm ihr Köpfchen friedlich schmiegend,
schläft meine kleine Frau, entrückt der Welt.

Vorüber seh ich ziehen schon im Geiste
die Schreckensbilder zukünftiger Zeit,
der Freiheit Feinde sehe ich ersaufen
im eignen Blut ohne Barmherzigkeit!
Mein Herz, es hämmert in der Brust rachlüstern,
und Blitz und Donner mir im Schädel gellt…
In meinen Arm ihr Köpfchen friedlich schmiegend,
schläft meine kleine Frau, entrückt der Welt.

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