Der alte Schäferhund – Rudolf von Reibisch

Der alte Schäferhund

Am Steinberg weidet die Herde
Bei Goslar, der alten Stadt,
Und hinter ihr schleicht der Schäfer
Am Stabe krank und matt.

Ihn umschwärmen seine Hunde,
Geschäftig, mit lautem Gebell,
Der Alte, Stummel mit Namen,
Und Ikker, sein junger Gesell.

Die Sonne purpurglühend
Sinkt hinter die Wolkenwand;
Der Alte, unverdrossen,
Ist immer dem Schäfer zur Hand.

Ihm lahmt die Vorderpfote,
Seit Wochen weh und wund;
Er achtet nicht der schmerzen,
Der alte, treue Hund.

Er scheint so jung und rüstig
Im Eifer seiner Pflicht,
Arbeitet auf und nieder,
Und ruht und rastet nicht.

Und weiter, immer weiter,
Wie Licht und Farben fliehn,
Seh’ ich die Herde weidend
Am Bergeshange ziehn.

Schon ist sie längst verschwunden,
Doch aus der Ferne hell
Dringt an mein Ohr herüber
Noch munteres Gebell.

Ich stand und horcht’ und lauschte,
Mir war das Herz so schwer –
Ich stand noch lang und lauschte;
Nacht war es um mich her.

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