August – Sandor Petöfi

August

Trag nun ihren Ring am Finger,
ihren Ring, am Finger nun!
Fühl beglückt auf meinen Lippen
ihre warmen Lippen ruhn.

Oh, wie süß ist es, zu küssen
ihren holden roten Mund,
süßer wohl als alle Süße
auf dem weiten Erdenrund!

Küß mich! … Mögen’s alle sehen,
saug an meinem Mund dich fest!
Recht ist’s, daß sich die Verlobte
vom Verlobten küssen läßt!

Deine Augen, Stirn und Wangen,
nicht die Lippen nur allein
laß mich küssen, wie den Himmel
küßt der Morgenröte Schein.

Halte mich in deinen Armen!
Ach, ich taumle, stürze hin,
weiß nicht, ob von deinen Küssen,
ob vom Wein ich trunken bin.

Deine Küsse sind wie Nektar,
so berauschend wie der Wein,
der selbst Götter trunken machte!
Sollt ich da nicht trunken sein?

Liebesrausch hat meine Sinne
ganz verwirrt, den Göttern gleich
steige ich, entrückt der Erde,
auf in aller Seligen Reich.

Schwebe über bunter Wolken
Wandrerheeren hoch im All
zwischen Sternen, jeder singt mir
zu wie eine Nachtigall.

Ja, sie singen nie gehörte
holde Sphärenlieder mir!
Licht wie hunderttausend Blitze
blendet meine Augen schier.

Doch mein Herz, es pocht wie rasend!
So viel Glück erträgt es nicht!
Mann, gib acht, daß es dir plötzlich
nicht vor lauter Freude bricht!

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