Abschied – Sandor Petöfi

Abschied

Der Tag verrann, der eben erst begann,
kaum kam ich an, kaum hab ich dich gesehn,
kaum hab ich dich begrüßt, umarmt, geküßt,
und scheiden muß ich schon und von dir gehn.
Mein Herz, mein Leben, alles bist du mir,
mein junges, schönes Weib, Gott sei mit dir!

Die Laute hab ich mit dem Schwert vertauscht,
der Dichter ward Soldat, treu seiner Pflicht.
Ein goldner Stern geleitete mich her,
zurück führt mich ein blutig rotes Licht.
Mein Herz, mein Leben, alles bist du mir,
mein junges, schönes Weib, Gott sei mit dir!

Nicht Ruhmsucht reißt von deiner Brust mich fort,
denn Heldenlorbeer dünkt mich ohne Sinn,
und unsres Glückes roten Rosenkranz,
ich gäb ihn wahrlich niemals dafür hin.
Mein Herz, mein Leben, alles bist du mit,
mein junges, schönes Weib, Gott sei mit dir!

Nein, Ruhmsucht reißt mich nicht von deiner Brust,
du weißt, erstorben ist sie längst in mir.
Vergieße ich mein Blut, tu ich’s bewußt
zum Wohl der Heimat, nur dafür, dafür!
Mein Herz, mein Leben, alles bist du mir,
mein junges, schönes Weib, Gott sei mit dir!

Wenn niemand sonst das Land verteidigen möcht,
dann täte ich es selbst auch ganz allein.
Doch jetzt, wo jeder Mann aufbrach ins Feld,
sollt ich der einzige Ofenhocker sein?
Mein Herz, mein Leben, alles bist du mir,
mein junges, schönes Weib, Gott sei mit dir!

Ich sage nicht zu dir: Denk stets an mich,
da in den Kampf ich gehe, auch für dich.
Ich kenne dich, ich weiß, daß Stund um Stund
dein ganzes Denken kreisen wird um mich.
Mein Herz, mein Leben, alles bist du mir,
mein junges, schönes Weib, Gott sei mit dir!

Als Krüppel kehre ich vielleicht nach Haus,
auch dann wirst du mich lieben allezeit.
Ich selber bringe meine Liebe dir,
fürwahr, zurück so unversehrt wie heut.
Mein Herz, mein Leben, alles bist du mir,
mein junges, schönes Weib, Gott sei mit dir!

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