Abends Im Konzert – Andreas Kley

Abends im Konzert

Ich bin der Wind in deinem Saxophone,
das du nun bläst am Abend im Konzert.
Ich bin das Rauchige in jedem Tone,
der deinem blanken Instrument entfährt.

Ich bin der Atem aus den Lungenflügeln,
den tief du in dich eingesogen hast.
Du bläst und weißt, du musst dich heut nicht zügeln.
Du hast dich viel zu lange angepasst.

Ich bin der Schrei, den du ins Blech entsendest,
der Schrei, so schrecklich, aber auch so schön,
dass du dir vorstellst: Wenn du jetzt verendest,
geschieht es wenigstens mit viel Gedröhn.

So blase denn und ohne zu verweilen
die Not, den Schmerz, die Wut in jeden Ton.
Lass alles heute deiner Brust enteilen.
Ich weiß den Weg, der Welt es mitzuteilen.
Ich bin der Wind in deinem Saxophon.

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