Year: 2019

Zu Volksweisen – IV. – Emanuel Geibel

Zu Volksweisen – IV. – Emanuel Geibel

Zu Volksweisen – IV. 4. Französisch In lichten Frühlingstagen Sei nur kühn, sei nur kühn ohne Zagen, Wenn alle Vögel schlagen, Das ist der Sehnsucht Zeit. Wenn alle Vögel schlagen, Sei nur kühn, sei nur kühn ohne Zagen! Dann kannst du nimmer tragen Im Herzen stumm das Leid. Dann kannst du̵... »

Zu Volksweisen – I. – Emanuel Geibel

Zu Volksweisen – I. – Emanuel Geibel

Zu Volksweisen – I. 2. Schottisch Weit, weit aus ferner Zeit Aus grüner Jugendwildnis Grüßt mich in Lust und Leid Ein wundersames Bildnis. Wohl kenn’ ich gut Der Lippe Glut, Die mit mir pflag zu kosen, Das Auge so hold, Der Locke Gold, Der Wange bleiche Rosen. Denn ob in Kampf und Schmer... »

Zu Volksweisen – VI. – Emanuel Geibel

Zu Volksweisen – VI. – Emanuel Geibel

Zu Volksweisen – VI. 6. Deutsch Mag auch heiß das Scheiden brennen, Treuer Mut hat Trost und Licht; Mag auch Hand von Hand sich trennen, Liebe läßt von Liebe nicht. Keine Ferne darf uns kränken, Denn uns hält ein treu Gedenken. Ist kein Wasser so ohn’ Ende, Noch so schmal ein Felsensteg,... »

Zu Volksweisen – III. – Emanuel Geibel

Zu Volksweisen – III. – Emanuel Geibel

Zu Volksweisen – III. 3. Russisch Durch die Waldnacht trabt mein Tier Sacht beim Sterngefunkel, All mein Glück liegt hinter mir, Vor mir nichts als Dunkel. Welke Blätter wirbeln wild In des Sturms Gewimmer – Lebe wohl, geliebtes Bild! Lebe wohl für immer! Ach, wohl mag der Menschenbrust ... »

Zu Volksweisen – V. – Emanuel Geibel

Zu Volksweisen – V. – Emanuel Geibel

Zu Volksweisen – V. 5. Deutsch Wenn ich an dich gedenke Bei stiller Nacht allein, Das geht mir durch die Seele Wie lichter Mondenschein; Das geht mir durch die Seele Wie lieblich Harfenspiel, Mir ist, ich hatte nimmer Der Freuden also viel. Mein Herz ist wie ein Ringlein Von eitel güldnem Glas... »

Zur Friedensfeier. – Emanuel Geibel

Zur Friedensfeier. – Emanuel Geibel

Zur Friedensfeier. 18. Juni 1871. Flammt auf von allen Spitzen, Ihr Feuer deutscher Lust, Und weckt mit euren Blitzen Ein Danklied jeder Brust! Das grause Spiel der Waffen Mit Gott ist’s abgetan, Und, die das Schwert geschaffen, Die Palmenzeit bricht an. Preis dem Herrn, dem starken Retter, De... »

Abschied von Lindau. – Emanuel Geibel

Abschied von Lindau. – Emanuel Geibel

Abschied von Lindau. Valet muß ich dir geben, Du alte Lindenstadt; Schon glüht an deinen Reben Wie Purpur Blatt um Blatt; Schon stiebt es von den Wipfeln, Und dunkler treibt der See, Und auf der Berge Gipfeln Erglänzt der erste Schnee, Du bist mir hold gewesen; So nimm des Gastes Dank, Der hoffnungs... »

Zwei Psalmen – Emanuel Geibel

Zwei Psalmen – Emanuel Geibel

Zwei Psalmen Aus diesem Thal des Kummers Vernimm, o Herr, mein Flehen: Voll Angst, beraubt des Schlummers Lieg’ ich die Nacht hindurch in heißen Wehen; Durch mein Gebein rinnt irr ein fiebernd Grausen, Die wilden Wasser gehen Hoch über meine Seele hin mit Brausen. Nicht weiß ich, wo ich bleibe... »

Zwei Könige – Emanuel Geibel

Zwei Könige – Emanuel Geibel

Zwei Könige Zwei Könige saßen auf Orkadal, Hell flammten die Kerzen im Pfeilersaal. Die Harfner sangen, es perlte der Wein, Die Könige schauten finster drein. Da sprach der eine: »Gib mir die Dirn’! Ihr Aug’ ist blau, schneeweiß ihre Stirn.« Der andre versetzte in grimmem Zorn: »Mein ist... »

Abendfeier in Venedig – Emanuel Geibel

Abendfeier in Venedig – Emanuel Geibel

Abendfeier in Venedig Ave Maria! Meer und Himmel ruhn, Von allen Türmen hallt der Glocke Ton. Ave Maria! Laßt vom ird’schen Tun, Zur Jungfrau betet, zu der Jungfrau Sohn! Des Himmels Scharen selber knieen nun Mit Lilienstäben vor des Vaters Thron, Und durch die Rosenwolken wehn die Lieder Der ... »

Abschied. – Emanuel Geibel

Abschied. – Emanuel Geibel

Abschied. Leb wohl, leb wohl, mein Kind, und keine Klage! Noch einen Kuß, noch eine Neige Wein! So licht und freundlich waren diese Tage, Laß freundlich auch den Abschied sein. Sieh, wenn hinab zu südlich fernen Borden Im langen Wanderzug der Kranich schwirrt, Begleitet ihn ein Traum vom grünen Nord... »

Abschied von Sankt Goar – Emanuel Geibel

Abschied von Sankt Goar – Emanuel Geibel

Abschied von Sankt Goar (In Freiligraths Album.) Wie flog im Land des Rheines So rasch die Sommerszeit! Schon dunkelt blauen Scheines Die Traube weit und breit; Es färbt das Laub sich gelber, Der Kranich zieht dahin; Mit zieh’ ich, weil ich selber Ein Wandervogel bin. Fahr wohl, von Walnußbäum... »

Ach, wohl war dir hienieden… – Emanuel Geibel

Ach, wohl war dir hienieden… – Emanuel Geibel

Ach, wohl war dir hienieden… Ach, wohl war dir hienieden, Als dein Lenz noch gewährt, Viel vor andern beschieden, Was das Leben verklärt. Wo durchs bunte Gedränge Nur hinschweifte dein Gang, Brachst du Rosen die Menge, Sangst du frischen Gesang. Ja, mit seligem Neigen, Als dein Sommer verblüht... »

Alte Poeten – Emanuel Geibel

Alte Poeten – Emanuel Geibel

Alte Poeten Jetzt erst erkenn’ ich euren Wert, ihr Alten, Seit ich auf eurem heil’gen Boden schreite; Lebendig wandelt ihr mir nun zur Seite, Ein hoher Chor befreundeter Gestalten. Nun lehret mich der Götter ew’ges Walten Der Greis von Chios in der Helden Streite, Und mächtig trägt... »

Am Jahresschlusse. – Emanuel Geibel

Am Jahresschlusse. – Emanuel Geibel

Am Jahresschlusse. Hast du endlich allverständlich, Schicksal, deinen Spruch getan, Und wie Frühlingsbrausen endlich Weht’s das deutsche Leben an? Ja, der Bannfluch ist gebrochen, Der beklemmend auf uns lag, Und befreit, mit Herzenspochen Grüßen wir den jungen Tag. Wo an Böhmens wald’gen... »

Am Meere – Emanuel Geibel

Am Meere – Emanuel Geibel

Am Meere O leiser Wogenschlag, eintönig Lied, Dazu die Harfe rührt der müde Wind, Wenn Well’ auf Welle blinkend strandwärts zieht Und dann auf goldnem Ufersand verrinnt, Wie oft in märchenhaftes Traumgebiet Verlockte mich dein Wohllaut schon als Kind! Versunken stand ich dann und lauschte tief... »

Am Bergsee – Emanuel Geibel

Am Bergsee – Emanuel Geibel

Am Bergsee Am Bergsee, wo die Wipfel steigen, Bis in die Nacht hab’ ich gelauscht, Da hat der Wald mit seinen Zweigen Die alte Zeit mir wach gerauscht: Die Zeit, die nach zu kurzem Schimmer Wie eine Sonn’ hinabgeglüht, Von der ein Nachglanz mir noch immer Wie Spätrot in der Seele blüht; ... »

Ada – Emanuel Geibel

Ada – Emanuel Geibel

Ada Tagebuchblätter. Was heißt durch Wald und Aue Mich wieder träumen gehn? Auf’s Moos gestreckt in’s Blaue Durch stille Wipfel sehn? Woher dies sanfte Glimmen Das in’s Geblüt mir dringt? Dies leise Harfenstimmen, Das mir im Sinn erklingt? Ich forsch’ in meinem Innern, Allein... »

Am Schillertage 1859. – Emanuel Geibel

Am Schillertage 1859. – Emanuel Geibel

Am Schillertage 1859. Wenn fromm den Kranz aus hundertjährigen Zweigen Ein ganzes Volk für seinen Liebling flicht, Wer nennt’ ein ebenbürtig Wort sein eigen, Zu künden, was aus allen Herzen bricht! Drum nur mit Zaudern in des Festes Reigen Voll scheuer Ehrfurcht wagt sich das Gedicht, Daß es d... »

An Ada – Emanuel Geibel

An Ada – Emanuel Geibel

An Ada Der Wald wird dichter mit jedem Schritt; Kein Pfad mehr, kein Steig! Nur die Quelle rieselt mit Durch Farrenkraut und Brombeergezweig; Ach, und unter den Eichenbäumen Das Gras wie hoch, wie weich das Moos! Und die himmlische Tiefe wolkenlos, Wie blaut sie durch die Wipfel hier. Hier will ich ... »

An den Grafen von Platen. – Emanuel Geibel

An den Grafen von Platen. – Emanuel Geibel

An den Grafen von Platen. Wenn auch nur wen’ge deine Größe ahnen Von jenem Volk, für das du hast gesungen, Für das du hast gefochten und gerungen, Voran ihm wandelnd auf der Schönheit Bahnen: Doch sammelt schon im Schatten deiner Fahnen Ein Häuflein sich, von edlem Mut durchdrungen, Und ob dei... »

An den Genius – Emanuel Geibel

An den Genius – Emanuel Geibel

An den Genius Während einer Krankheit. Du Genius, der von ew’gem Herd Mein Wesen all gesetzt in Flammen, O halte diesen Leib zusammen, Bis ich ein Werk schuf deiner wert; Dann mag in Erde, Luft und Wellen Der Staub dem Staube sich gesellen, Ein Tropfen, der zum Meere kehrt. Du legtest tief in ... »

Am Waldsee. – Emanuel Geibel

Am Waldsee. – Emanuel Geibel

Am Waldsee. Da draußen an der Halde, Da singt ein Vöglein frei: Jung Blut, geh’ nicht zu Walde, Im Walde wohnt die Fei. Bei Tag im Grase funkelt Ihr schuppiger Schlangenleib! Doch wenn der Abend dunkelt, Wird sie ein schönes Weib. Sie sitzt in Mondscheinnächten Am schwarzen See im Tann, Und lö... »

An den König von Preußen. – Emanuel Geibel

An den König von Preußen. – Emanuel Geibel

An den König von Preußen. Dezember 1842. Ich habe nie nach Gunst gerungen, Ich sang allein, was ich gemußt; Wie Rosen, frisch dem Lenz entsprungen, So brach’s hervor aus meiner Brust. Und fröhlich streut’ ich in die Winde Die leichte, reiche Blumenpracht; Ob sie der Freund, der Tadler fi... »

An Denselben – Emanuel Geibel

An Denselben – Emanuel Geibel

An Denselben Ich hätte gern, o Freund, mit dir gespeist heute, Und frohen Muts bei perlenreichem Schaumweine Der Zeit gedacht, da wir im attischen Ölwalde An herberm Trunk uns labten aus dem Pechschlauche. Auch hätt’ ich willig dir von hundert Torheiten Erzählt, wie mir im schwangern Haupte bu... »

An der Mosel. – Emanuel Geibel

An der Mosel. – Emanuel Geibel

An der Mosel. August 1870. Wo der Mosel dunkle Wellen Um ihr felsig Ufer schwellen, Schweigt zum drittenmal die Schlacht, Und die feuchten Winde tragen Lobgesang und Totenklagen Fernverhallend durch die Nacht. Unsre Siegesbanner wogen, Doch die Bahn, die sie durchbogen, Ist von teurem Blute rot; Wo ... »

An die Gewaltsamen – Emanuel Geibel

An die Gewaltsamen – Emanuel Geibel

An die Gewaltsamen Der heil’ge Geist ist Gottes freie Gabe, Das Wort ein Fels, ein ew’ger. Meint ihr gar, Daß ihr ihn stützen mögt mit eurem Stabe? Und dessen Hand ihn hielt zweitausend Jahr, Daß auch kein Körnchen durfte davon splittern, Wähnt ihr, er schlafe, weil ihr träumt Gefahr? Kl... »

An Deutschland. – Emanuel Geibel

An Deutschland. – Emanuel Geibel

An Deutschland. Nun wirf hinweg den Witwenschleier, Nun gürte dich zur Hochzeitsfeier, O Deutschland, hohe Siegerin! Die du mit Klagen und Entsagen Durch vierundsechzig Jahr’ getragen, Die Zeit der Trauer ist dahin; Die Zeit der Zwietracht und Beschwerde, Da du am durchgeborstnen Herde Im Stau... »

An Ernst Curtius – Emanuel Geibel

An Ernst Curtius – Emanuel Geibel

An Ernst Curtius Wer hat der Sorge je sein Herz verschlossen? Und flöhn wir zu des Poles eis’gen Strecken, Sie würde dort auch uns vom Lager schrecken, Wenn auf die Wimper kaum sich Schlaf ergossen. Wir sehn von hellem Kerzenglanz umflossen Sie flattern an des Prunksaals goldnen Decken; Dem Sc... »

An Georg Herwegh. – Emanuel Geibel

An Georg Herwegh. – Emanuel Geibel

An Georg Herwegh. Februar 1842. Es scholl dein Lied mir in das Ohr So schwertesscharf, so glockentönig, Als wär’ aus seiner Gruft empor Gewallt ein alter Dichterkönig. Und doch! Ich weis’ es nicht von mir, Ich muß dich in die Schranken laden; Komm an in voller Harnischzier, Auf Tod und L... »

An F.K. – Emanuel Geibel

An F.K. – Emanuel Geibel

An F.K. »Tragödien dichte; laß das Liederfeilen!« So schiltst du und ermahnst du mich voll Güte, Doch sieh, mir steckt ein Fieber im Geblüte, Das Fieber der Sonette, schwer zu heilen. Dies ist der Krankheit Merkmal, daß mit Eilen, Was immer nur berühret mein Gemüte, Verschlungen durch vierfachen Rei... »

An Hermann Kretzschmar, den Maler. – Emanuel Geibel

An Hermann Kretzschmar, den Maler. – Emanuel Geibel

An Hermann Kretzschmar, den Maler. Es nahn und fliehn die wechselnden Gestalten, Und was wir kaum im Herzen lieb gewannen, Die Ferne führt es neidisch uns von dannen, Im Lauf der Stunden muß es rasch veralten. Da greift der Künstler in des Schicksals Walten: Ein Zaubrer, weiß er Raum und Zeit zu ban... »

An Klara – Emanuel Geibel

An Klara – Emanuel Geibel

An Klara (im Namen einer Freundin, mit einer Schlummerdecke). Hast du vom Teppich Salomos Gehört die wundervolle Sage, Dran in kristallner Grotte Schoß Die Geister woben dreißig Tage? Wer ihn betrat mit Zauberwort, Den trug er durch die Lüfte fort, Ein schwebend Schifflein rastlos fliegend, In blaue... »

An König Wilhelm. – Emanuel Geibel

An König Wilhelm. – Emanuel Geibel

An König Wilhelm. Lübeck, den 13. September 1868. Mit festlich tiefem Frühgeläute Begrüßt dich bei des Morgens Strahl, Begrüßt, o Herr, in Ehrfurcht heute Dich unsre Stadt zum erstenmal; Dem hohen Schirmvogt ihr Willkommen Neidlosen Jubels bringt sie dar, Die selbst in Zeiten längst verglommen Des a... »

An Ludwig Achim von Arnim – Emanuel Geibel

An Ludwig Achim von Arnim – Emanuel Geibel

An Ludwig Achim von Arnim Wenn sich ein Geist erhebt in ungeschwächter, Erhabner Würde mit gewalt’gem Schritte, Zu stolz, daß er des Haufens Gunst erbitte, So wird er oft dem niedern zum Gelächter. So gingest du, der treue Kronenwächter Altdeutscher Gottesfurcht und edler Sitte, Verkannt durch... »

Antwort – Emanuel Geibel

Antwort – Emanuel Geibel

Antwort Du fragst mich, liebe Kleine, Warum ich sing’ und weine, Du fragest, was mich schmerzt? Ich habe den Lenz versäumet, Ich habe die Jugend verträumet, Ich habe die Liebe verscherzt. Mir schwoll der Becher am Munde, Ich hatte nicht Durst zur Stunde, Ich ließ vorüber ihn gehn; Mir winkt... »

Apologie – Emanuel Geibel

Apologie – Emanuel Geibel

Apologie Daß ich auch zur schönen Zeit des Frühlings Morgens lange stets im Bette säume, Darum wollt ihr, Freunde, mich verklagen? Tut es immerhin! Euch hat beim Werden Nicht die Muse freundlich angelächelt, Und mit Morpheus’ lieblichem Geschlechte Seid ihr ganz und gar in herbem Zwiespalt. Ni... »

Auf den Tod eines Freundes. – Emanuel Geibel

Auf den Tod eines Freundes. – Emanuel Geibel

Auf den Tod eines Freundes. O wie viel Kränze, eben frisch und grün, Sah ich in einer kurzen Nacht verblühn! O wie viel blondgelockte Knaben, O wie viel Bräute, deren süßer Blick Sich kaum entzündet an der Liebe Glück, Sah ich schon lächeln und begraben! Es sucht der Tod die Freude, wie der Strahl D... »

Auf dem See. – Emanuel Geibel

Auf dem See. – Emanuel Geibel

Auf dem See. Nun fließt die Welt in kühlem Mondenlicht, Die Berge sind im weißen Duft versunken; Der See, der leis’ um meinen Kahn sich bricht, Spielt fern hinaus in irren Silberfunken, Doch sein Gestad’ erkenn’ ich nicht. Wie weit! Wie still! Da schließt in mir ein Sinn Sich auf, ... »

Auf dem Wasser – Emanuel Geibel

Auf dem Wasser – Emanuel Geibel

Auf dem Wasser Nun wollen Berg’ und Tale wieder blühn, Die Winde säuseln durch der Wipfel Grün, Des Waldhorns Klang verschwimmt im Abendrot – Ich möchte froh sein, doch mein Herz ist tot. Die Freunde rudern frisch und säumen nicht, Des Wassers Furche blinkt im Sternenlicht, Die Zither kl... »

Auf der Akropolis zu Athen – Emanuel Geibel

Auf der Akropolis zu Athen – Emanuel Geibel

Auf der Akropolis zu Athen Bei euch, ihr hohen Säulen, laßt mich weilen, Ihr stummen Zeugen wechselvoller Tage, Und laßt sich mein Gemüt ergehn in Klage, Daß nichts entrinnen mag des Schicksals Pfeilen. Die Zeit des Glanzes saht ihr schnell enteilen, Und was ihr dann geschaut, war eitel Plage; Kaum ... »

Auf eine Einsame – Emanuel Geibel

Auf eine Einsame – Emanuel Geibel

Auf eine Einsame Dreimal unselig Weib! Du warst einst schön und jung, Geflügelt war dein Geist zu wundervollem Schwung; Und wie bei lautem Lied von selbst die Saiten tönen, Klang dir im Herzen nach ein Echo alles Schönen. Doch ach, du kostetest, niemals bedacht zu ruhn, Von jeglichem Gefühl nur, wie... »

Auf Felix Mendelssohn-Bartholdys Tod. – Emanuel Geibel

Auf Felix Mendelssohn-Bartholdys Tod. – Emanuel Geibel

Auf Felix Mendelssohn-Bartholdys Tod. Auf jeden Tag, und schwing’ in sprühnder Pracht Er noch so stolz die Fackel, folgt die Nacht; Steigen und sinken lautet das Gebot, Das uns beherrscht, und König ist der Tod. Wir wissen’s wohl, und tausendförmig sehn Wir täglich ihn an uns vorübergehn... »

Auf glatten Fluten schwamm der Abendstern… – Emanuel Geibel

Auf glatten Fluten schwamm der Abendstern… – Emanuel Geibel

Auf glatten Fluten schwamm der Abendstern… Auf glatten Fluten schwamm der Abendstern, Ein grünlich Gold umdämmerte die Fluren: Die Türme Lübecks spiegelten sich fern, Und leise zog der Nachen, drin wir fuhren. Die Luft war kühl, Gesang und Scherz zerrann Gemach in traulich flüsterndes Gekose, ... »

Auf keinen Fall – Emanuel Geibel

Auf keinen Fall – Emanuel Geibel

Auf keinen Fall Auf keinen Fall gestehe Du der Mittelmäßigkeit was zu. Hast Du Dich erst mit ihr vertragen, dann wird´s Dir bald bei ihr behagen, bis Du dereinst, Du weißt nicht wie, geworden bist, so flach wie sie. Hits: 0 »

Auferstehung – Emanuel Geibel

Auferstehung – Emanuel Geibel

Auferstehung Wenn einer starb, den du geliebt hienieden, So trag hinaus zur Einsamkeit dein Wehe, Dass ernst und still es sich mit dir ergehe Im Wald, am Meer, auf Steigen längst gemieden. Da fühlst du bald, dass jener, der geschieden, Lebendig dir im Herzen auferstehe; In Luft und Schatten spürst d... »

Aus Griechenland. – Emanuel Geibel

Aus Griechenland. – Emanuel Geibel

Aus Griechenland. Ich saß im Abendschein Auf Naxos Traubenklippe; Der Krug mit dunklem Wein Erfrischte meine Lippe. Da sah ich, wie im Thal Mit Frucht und Silberblüten Die Gärten sonder Zahl Im Sonnenduft verglühten! Ich sah am Fels empor Hoch über luft’gen Stiegen, Reblaub um Säul’ und ... »

Aus dem Schenkenbuch. – Emanuel Geibel

Aus dem Schenkenbuch. – Emanuel Geibel

Aus dem Schenkenbuch. 1. Wein her! Wein, damit du es lernst, Herz, geduldig zu harren; Weil du schier mir brächest am Ernst, Gehn wir unter die Narren. Weil zwei Schritte von deiner Thür Nichts vom Leben mehr dein ist, Laß das Klügeln und forsche dafür, Wo der feurigste Wein ist. Schwärmen wollen wi... »

Aus dem Walde – Emanuel Geibel

Aus dem Walde – Emanuel Geibel

Aus dem Walde Mit dem alten Förster heut bin ich durch den Wald gegangen, während hell im Festgeläut’ aus dem Dorf die Glocken klangen. Golden floß ins Laub der Tag, Vöglein sangen Gottes Ehre, fast, als ob der ganze Hag wüßte, daß es Sonntag wäre. Und wir kamen ins Revier, wo, umrauscht von a... »

Aus den Salzburger Tagen. – Emanuel Geibel

Aus den Salzburger Tagen. – Emanuel Geibel

Aus den Salzburger Tagen. Spätsommer 1867. Deutsches Volk, was säumst du länger? Schau, wie deinem alten Dränger Schon vor deiner Eintracht graust, Wie er mit beklemmten Sinnen Diese Zinnen Steigen sieht, die du erbaust. Und du wolltest von dem Werke Deines Wachstums, deiner Stärke Lassen, nun es ha... »

Aus zerrißnen Wolkenmassen… – Emanuel Geibel

Aus zerrißnen Wolkenmassen… – Emanuel Geibel

Aus zerrißnen Wolkenmassen… Aus zerrißnen Wolkenmassen Steigt ins Blau der goldne Mond Und beglänzt den Bergesgipfel, Wo die Burgruine thront. Am bemoosten Turme steh’ ich, Himmelwärts das Angesicht, Und ich horche, und ich lausche, Was der Mond herniederspricht. Von viel tausend Mädchen... »

Babel. – Emanuel Geibel

Babel. – Emanuel Geibel

Babel. Und sie sprachen: »was brauchen wir fürder des Herrn? Mag im Blauen er thronen, wir gönnen’s ihm gern; Doch die Erd’ ist für uns, wir sind Könige drauf, Laßt uns schwelgen und glühn, sie beschert uns vollauf. Denn die Flur giebt uns Weiden und Brod das Gefild, Und den Fisch giebt ... »

Blauer Himmel. – Emanuel Geibel

Blauer Himmel. – Emanuel Geibel

Blauer Himmel. Du Aetherblau, von sel’gem Licht getränkt, Durchsichtge Tiefe, drein der Blick sich senkt, Bis er geblendet taumelt, Abgrund du, Unendlicher, der Heiterkeit und Ruh, Wie schafft dein süßer Hauch den Geist mir leicht, Den staubumschränkten, der dir, ach, nicht gleicht, Und doch v... »

Beruhigung – Emanuel Geibel

Beruhigung – Emanuel Geibel

Beruhigung Wenn ein Freund auf deinem Pfade Dich mit Wort und Tat versehrt, Denke still an Gottes Gnade, Die dir täglich widerfährt. Halt im Zaume deiner Seele Sprühnden Zorn und denk’ an ihn, Der nicht einmal deine Fehle, Der sie tausendmal verziehn. So bereit sei, sonder Klage Zu verzeihn in... »

Cita mors ruit – Emanuel Geibel

Cita mors ruit – Emanuel Geibel

Cita mors ruit Der schnellste Reiter ist der Tod; Er überreitet das Morgenrot, Des Wetters rasches Blitzen; Sein Roß ist fahl und ungeschirrt, Die Senne schwirrt, der Pfeil erklirrt Und muß im Herze sitzen. Durch Stadt und Dorf, über Berg und Tal, Im Morgenrot, im Abendstrahl Geht’s fort in wi... »

Das Geheimnis der Sehnsucht – Emanuel Geibel

Das Geheimnis der Sehnsucht – Emanuel Geibel

Das Geheimnis der Sehnsucht Nun wandelt von den Bergen sacht Zum See herab die Sommernacht, Und träumerisch mit heißem Sinn Durch ihre Schatten schreit’ ich hin. Berauschend schwimmt im Strom der Luft Daher der Rebenblüte Duft, Der Glühwurm webt die lichte Bahn Im Dunkel an des Turms Gemäuer, ... »

Clotar – Emanuel Geibel

Clotar – Emanuel Geibel

Clotar (Fragment.) Es liegt am Strand der Spree im Preußenland Die Stadt Berlin, die jede Zeitung nennt, Berühmt durch ihren Fritz und ihren Sand Und tausend Dichter, welche niemand kennt; Dort lebte noch vor kurzem unbekannt, Doch wert, daß ihr ihn kennet, ein Student, Und weil mir eben andre Helde... »

Daheim – Emanuel Geibel

Daheim – Emanuel Geibel

Daheim Daheim, daheim! Nach so viel Wandertagen, Nach so viel Nächten, wo ich sturmverschlagen Schlaflos im Schiff ersonnen meinen Reim, Nach Frost und Glut auf öden Felsenstiegen, Nach ew’ger Hast – o welche Zauber liegen In diesem kleinen Wort: Daheim! Nun knattert im Kamin mit raschem... »

Das ist das alte Lied und Leid… – Emanuel Geibel

Das ist das alte Lied und Leid… – Emanuel Geibel

Das ist das alte Lied und Leid… Das ist das alte Lied und Leid, daß die Erkenntnis erst gedeiht, wenn Mut und Kraft verrauchen; die Jugend kann, das Alter weiß; du kaufst nur um des Lebens Preis die Kunst, das Leben recht zu brauchen. Hits: 0 »

Das ist der Liebe eigen… – Emanuel Geibel

Das ist der Liebe eigen… – Emanuel Geibel

Das ist der Liebe eigen… Das ist der Liebe eigen, Mit Worten muß sie schweigen; Sie spricht mit süßen Zeichen Von Dingen ohnegleichen. Es sagt die Hand am Herzen: Hier innen trag’ ich Schmerzen, Und möchte doch dies Leiden Um alle Welt nicht meiden. Im Auge spricht die Träne: Wie ich nac... »